Anwendbarkeit & Rolle
Fallen Sie überhaupt unter den AI Act, und in welcher Rolle — Anbieter, Betreiber, Importeur oder Händler? Die Rolle bestimmt, welche Pflichten greifen.
Der EU AI Act ist keine Empfehlung, sondern geltendes Recht. Aber er ist nur die eine Hälfte der KI-Compliance: Er regelt das System, die DSGVO regelt die Daten, die hineinlaufen. Dieser Selbsttest zeigt deshalb beides — AI-Act-Einstufung und eine schnelle Datenschutz-Ampel für KI-Nutzung.
Ein hoher Score heißt nicht, dass Sie „fertig“ sind. Er heißt, dass die Grundpflichten operationalisiert sind. Ein niedriger Score heißt umgekehrt nicht Panik, sondern: Klarheit schaffen, Prioritäten setzen, juristisch absichern — in dieser Reihenfolge. Achtung: Viele potenzielle KI-Fehltritte sind keine AI-Act-Verstöße, sondern DSGVO-Verstöße mit KI-Tools.
Fallen Sie überhaupt unter den AI Act, und in welcher Rolle — Anbieter, Betreiber, Importeur oder Händler? Die Rolle bestimmt, welche Pflichten greifen.
Haben Sie alle eingesetzten KI-Systeme erfasst — inklusive eingebetteter KI in Drittanwendungen — und sauber nach Risikoklassen eingeordnet?
Emotionserkennung am Arbeitsplatz, Social Scoring, manipulative Techniken — seit 2025 scharf, mit der höchsten Sanktionsstufe. Sicher ausgeschlossen?
Risikomanagement, Datenqualität, technische Dokumentation, Logging, menschliche Aufsicht — wenn Ihre Systeme in Anhang-III-Bereiche fallen, greifen die schärfsten operativen Pflichten.
Erkennen Nutzer Ihre Chatbots als KI, kennzeichnen Sie KI-generierte Inhalte — und informieren Sie bei Emotionserkennung oder biometrischer Kategorisierung?
Befähigung statt einmaliger Schulung, klare Verantwortlichkeiten, funktionierender Prozess für Vorfallmeldungen — Pflicht seit Februar 2025.
Welche Foundation Models stecken in Ihren Systemen — auch indirekt über SaaS? Regeln Ihre Verträge, was Sie zur Erfüllung Ihrer Betreiberpflichten brauchen?
Welche personenbezogenen Daten fließen in KI-Tools, auf welcher Grundlage, mit welcher Anbieterbindung — und mit welchem Risiko für Drittlandtransfer oder unkontrollierte Weiterverwendung?
Bewerten Sie jede Aussage mit Nein, Teilweise oder Ja. Der Test berechnet daraus ein AI-Act-Profil und eine getrennte DSGVO-Ampel für KI-Nutzung.
Dieser Selbsttest orientiert sich an der Verordnung (EU) 2024/1689 (EU AI Act), den Leitlinien des EU AI Office (Prohibited Practices Guidelines Februar 2025, GPAI Code of Practice Juli 2025), der ALTAI-Assessment-List der High-Level Expert Group on AI sowie an praxistauglichen Compliance-Frameworks aus Deloitte Trustworthy AI und PwC Responsible AI Toolkit. Der DSGVO-Block verdichtet die operativ häufigsten KI-Datenschutzfragen: personenbezogene Daten, Rechtsgrundlage, Auftragsverarbeitung, Drittlandtransfer, Retention, Trainingsnutzung und interne Nutzungsleitplanken. Als übergreifende Kontrollarchitektur wurde das NIST AI Risk Management Framework herangezogen. Die Auswahl der Fragen folgt dem gleichen Prinzip wie beim KI-Readiness-Selbsttest: wenige, scharf gestellte Items pro Dimension — keine vollständige Compliance-Prüfung, sondern eine ehrliche Standortbestimmung in fünf bis zehn Minuten.
Der Test soll keine juristische Ja-Nein-Antwort simulieren. Er zeigt, wo Ihr Unternehmen heute steht und welcher nächste Schritt sinnvoll ist. Der AI-Act-Score bildet System- und Organisationsreife ab; die DSGVO-Ampel zeigt, ob die Datenseite der KI-Nutzung tragfähig ist.
Hoher Klärungsbedarf. Das Compliance-Risiko ist heute real und nicht beziffert. Vor jeder weiteren KI-Initiative gehört ein externer juristischer Check an den Anfang, nicht ans Ende.
Auf gutem Weg, aber mit Lücken. Die Grundstruktur steht, aber zentrale Pflichten — typischerweise Inventar, Hochrisiko-Dokumentation und AI-Literacy — sind noch nicht belastbar. Die zwei schwächsten Dimensionen schließen, bevor neue Use Cases aufgesetzt werden.
Belastbare Compliance-Basis. Die Pflichten sind im Kern operationalisiert. Nächster Schritt: externer Compliance-Audit durch spezialisierte Kanzlei oder Wirtschaftsprüfung, plus laufendes Monitoring und saubere Vertragsführung mit GPAI-Anbietern.
Ausgereifte Compliance. Auch hier bleibt externe Prüfung in angemessenen Abständen Standard — aber der Fokus liegt auf Weiterentwicklung (neue Guidance, neue Systeme, neue GPAI-Anbieter), nicht mehr auf Grundaufbau.
Rot. Datenschutz ist nicht belastbar geklärt. KI-Nutzung mit personenbezogenen Daten gehört vor Skalierung in einen fokussierten Datenschutz-Check.
Gelb. Erste Leitplanken sind da, aber Anbieter, Rechtsgrundlage oder Drittlandtransfer sind noch nicht durchgehend sauber.
Grün. Die Datenseite wirkt operativ kontrolliert. Trotzdem bleiben neue Tools, neue Datenkategorien und Anbieterwechsel prüfpflichtig.
Dieser Test ist bewusst eng an Regulierung und Datenschutz geführt. Wenn Sie parallel strategisch prüfen wollen, wie KI-ready Ihr Unternehmen insgesamt ist — Problemfit, Daten, Prozesse, Führung, Talent, Wertbeitrag und Governance — empfiehlt sich der Schwestertest.
Der Selbsttest verdichtet — die Originalquellen sind der Maßstab. Die folgenden Einstiege decken Gesetzestext, Anwendungsfristen, EU-Auslegungshilfen zu den kritischen Artikeln, GPAI-Regime und die nationalen Servicestellen in Österreich und Deutschland ab.
| Quelle | Zweck | Herausgeber |
|---|---|---|
| Verordnung (EU) 2024/1689 — EUR-Lex ↗ | Amtlicher Volltext im Amtsblatt der EU — die rechtsverbindliche Grundlage. | Amt für Veröffentlichungen der EU |
| AI Act — Überblick inkl. Timeline ↗ | Ziele, Risikoklassen und Anwendungsdaten: in Kraft 1. August 2024; Verbote und AI-Literacy seit 2. Februar 2025; GPAI und Governance seit 2. August 2025; Grundanwendung ab 2. August 2026; bestimmte Hochrisiko-Systeme nach Art. 6 Abs. 1 ab 2. August 2027. | Europäische Kommission |
| AI Office ↗ | Zuständige Durchsetzungs- und Guidance-Behörde auf EU-Ebene. | Europäische Kommission |
| Guidelines zu verbotenen Praktiken (Art. 5) ↗ | Offizielle Auslegungshilfe zu den verbotenen KI-Praktiken (Februar 2025). | Europäische Kommission |
| Guidelines zur Definition eines KI-Systems ↗ | Abgrenzung, was überhaupt unter den AI Act fällt (Februar 2025). | Europäische Kommission |
| GPAI Code of Practice — Inhalte ↗ | Aktuelle offizielle Landingpage zu Inhalt und Struktur des freiwilligen GPAI Code of Practice für Anbieter von General-Purpose-AI-Modellen. | Europäische Kommission / AI Office |
| Guidelines zu GPAI-Modellpflichten ↗ | Offizielle Auslegung zum Umfang der GPAI-Anbieterpflichten und dazu, wer darunter fällt. | Europäische Kommission |
| RTR KI-Servicestelle ↗ | Nationale KI-Servicestelle für Österreich — Auskunft und Koordination. | Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) |
| BNetzA KI-Service-Desk ↗ | Nationaler KI-Service-Desk für Deutschland zur Umsetzung der KI-Verordnung. | Bundesnetzagentur (BNetzA) |
| Datenschutz erklärt ↗ | Offizieller Einstieg der Europäischen Kommission zur DSGVO und zum Begriff personenbezogener Daten. | Europäische Kommission |
| Wann dürfen personenbezogene Daten verarbeitet werden? ↗ | Überblick zu Rechtsgrundlagen für die Verarbeitung personenbezogener Daten. | Europäische Kommission |
| Auftragsverarbeitung nach DSGVO ↗ | Offizielle Erläuterung zu Auftragsverarbeitung, AVV und Unterauftragsverarbeitern. | Europäische Kommission |
| Standardvertragsklauseln (SCC) ↗ | Offizieller Einstieg zu Standardvertragsklauseln und internationalen Datentransfers. | Europäische Kommission |