Softwareentscheidungen, Nachbaubarkeit und verteidigbarer Produktwert
Früher konnte schon die fehlende Softwarelösung ein Vorsprung sein. Mit KI wird diese Lücke kleiner: Wer Software gründet, bewertet oder kauft, muss früher prüfen, was daran wirklich schwer zu kopieren ist.
Die Financial Times hat beschrieben, wie Bain in der Private-Equity-Due-Diligence mit KI grobe Nachbauten von Softwareprodukten erstellt. Nicht als produktive Alternative, sondern als Test der Investmentthese: Liegt der Wert wirklich im Produkt, oder in etwas, das schwerer zu replizieren ist?
Das ist zunächst ein Instrument für Investoren. Aber die Logik reicht weiter. Für Gründer verschiebt sich die Validierungsfrage. Ein USP war immer wichtig. Neu ist, dass eine Produktidee früher gegen ihre Nachbaubarkeit geprüft werden muss. Wenn eine Funktion mit KI rasch prototypisiert werden kann, reicht die bloße Existenz der Software nicht mehr als Argument für ein Softwareunternehmen.
Dann braucht es Daten, Distribution, Prozessnähe, Geschwindigkeit oder einen anderen Vorteil, der nicht im ersten Nachbau verschwindet.
Auch beim Softwarezukauf dürfte diese Frage relevanter werden. Eine gute Demo, eine lange Funktionsliste und eine plausible Roadmap reichen weniger aus, wenn Oberfläche, Standardworkflow und einfache Geschäftslogik schneller kopierbar werden.
Ein KI-Prototyp ersetzt kein produktives System. Er bildet nicht Rechte, Datenmigration, Betrieb, Sicherheit, Support oder Haftung ab. Genau dort liegt bei guter Enterprise-Software oft der Wert.
Aber er kann zeigen, welche Teile eines Produkts austauschbarer sind, als die Demo vermuten lässt. Entscheidend ist nicht, ob sich etwas technisch nachbauen lässt. Entscheidend ist, ob ein Unternehmen es mit vertretbarem Risiko ersetzen würde.
Die Börse liefert dafür keinen Beweis, aber ein Signal. Softwarewerte entwickeln sich 2026 stark auseinander, weil Investoren neu prüfen, welche Anbieter in einer KI-Welt noch Preissetzungsmacht behalten.
KI macht gute Software nicht wertlos. Aber sie macht schwache Differenzierung schneller sichtbar.
Quelle: Financial Times zu Bain/Vibecoding in der Due Diligence: https://www.ft.com/content/e5bac4d1-b1f8-43a4-bd54-b182d5357af0