Gartner und Agentic AI: Agenten als digitale Bevollmächtigte
Gartner setzt seine Warnung vor Agentic AI fort.
Im Juni 2025 prognostizierte das Analysehaus, dass mehr als 40 Prozent der Agentic-AI-Projekte bis Ende 2027 eingestellt werden könnten. Die Gründe waren steigende Kosten, unklarer Geschäftswert, schwache Risikokontrollen und viel Agent Washing.
Im Mai 2026 wird diese Warnung konkreter. Gartner beschreibt nun weniger ein Hype-Problem als ein Betriebsproblem: Viele Unternehmen behandeln Agenten entweder wie normale Softwarefunktionen, die eng eingeschränkt werden, oder wie Systeme, denen man sehr weit vertraut. Beides ist ein Problem.
Ein Copilot mit schlechten Daten liefert schlechte Antworten. Das ist ärgerlich, teuer und in manchen Fällen riskant. Aber meist bleibt ein Mensch zwischen Output und Wirkung. Jemand liest, prüft, verwirft oder korrigiert.
Ein Agent arbeitet in einer anderen Kategorie. Er kann schreiben, weiterleiten, eintragen, vorbereiten, ändern oder einen Prozessschritt auslösen. Damit wird aus einer Fehleinschätzung nicht nur ein schlechter Vorschlag, sondern eine falsche Handlung im System.
Genau hier verschiebt sich die Risikoklasse. Fehlt der Datenkontext, setzt der Agent falsche Annahmen um. Sind Prozesse unklar, führt er den falschen Ablauf „sauber“ aus. Sind Rechte zu weit gefasst, kann er mehr sehen oder tun als beabsichtigt. Und wenn Monitoring und Verantwortung fehlen, wird der Fehler erst sichtbar, wenn er bereits Schaden verursacht hat, möglicherweise nach mehreren Ausführungen.
Wer nicht Teil dieser Gartner-Prognose werden will, sollte Agenten deshalb nicht wie zusätzliche Softwaretools behandeln. Sie sind digitale Bevollmächtigte. Eine solche Vollmacht vergibt man nicht pauschal. Man begrenzt Zweck, Zugriff, Handlungsspielraum, Freigabegrenze und Widerruf. Und man prüft vorher, ob das System überhaupt die Daten, den Kontext und die Prozesslogik hat, um die Aufgabe zuverlässig auszuführen.
Genau dort liegt der Unterschied zwischen KI-Chat und Agent: Der Chat unterstützt Arbeit. Der Agent bekommt Ausführungsrechte.