Commerzbank legt KI-KPIs offen
Oliver Dörler, Chief Data & AI Officer der Commerzbank, hat sich Ende April in der Börsen-Zeitung auf klare Zahlen und KPIs zu KI festgelegt. Bis 2028 will die Bank 140 Millionen Euro in KI investieren, daraus 300 Millionen Wertbeitrag erzielen und den Personalstand dabei konstant bei 36.700 Vollzeitstellen halten.
Manche dieser KPIs klingen eindeutiger, als sie sind. Ob Ava, die virtuelle Assistentin in der Banking-App, tatsächlich drei Viertel der Kundenanfragen autonom schließt, hängt davon ab, was als Anfrage zählt und welche Kunden sich gar nicht erst an den Avatar wenden. Wichtiger als solche Interpretationen erscheint mir aber etwas anderes: ein klarer Drei-Jahres-Korridor, an dem Dörler später gemessen werden kann.
Spannend finde ich weiters die 4.100 internen Assistenten auf Sherlock.AI, bei 36.700 Mitarbeitern. Wie viele Menschen sie gebaut haben, steht nicht im Bericht. Egal welche Verteilung: Das passiert typischerweise nur, wenn die zentrale IT bauen lässt und die Infrastruktur dafür stellt. Diese Kombination (interne Bauplattform plus Bau-Erlaubnis für Fachbereiche) sieht man selten.
Aufschlussreich ist auch, was nicht im Bericht erwähnt wird. Commerzbank listet vier Anwendungen, allesamt Stützfunktionen: Kundenservice, interne Wissenssuche, Betrugserkennung, Dokumentenverarbeitung. Kreditentscheidung, Pricing und Risikomodelle bleiben unausgewiesen — also genau das, was eine Bank eigentlich tut. Selbst bei 2,1-facher Renditeerwartung traut sich Commerzbank nicht ans Kerngeschäft. Unternehmen, die mit „KI revolutioniert unser Geschäftsmodell" einsteigen, fangen nach heutigen KI-Reifegradmodellen eine Stufe zu früh an.
Artikel: https://www.boersen-zeitung.de/banken-finanzen/nicht-im-hype-sondern-in-der-realitaet