IAB-Betriebspanel: Adoption ohne Leitplanken

Jeder vierte deutsche Betrieb nutzt inzwischen generative KI. Klingt nach einer Erfolgsgeschichte. Bis man die zweite Zahlenreihe derselben Studie liest.

Das IAB-Betriebspanel hat 2025 zum ersten Mal nach generativer KI gefragt. Vor zwei Jahren lag der Anteil noch bei 5 Prozent — eine Verfünffachung in 24 Monaten. Bei Großbetrieben über 200 Mitarbeitenden sind es 48 Prozent, weitere 19 Prozent planen die Einführung. Selbst Kleinstbetriebe unter zehn Mitarbeitenden erreichen 21 Prozent.

Doch wie wird die Technologie genutzt? 90 Prozent der Nutzerbetriebe arbeiten mit frei zugänglichen Modellen wie ChatGPT, Gemini oder Claude. Konkret kann das heißen: ein Browser-Tab, Daten rein, Ergebnis raus. 56 Prozent dieser Betriebe haben dafür keine internen Regeln entwickelt und planen auch keine. Bei Schulungen sieht es ähnlich aus.

Die Studienautoren werten das als aktive Begleitung der Einführung. Nüchterner gelesen: In der Mehrheit der Nutzerbetriebe läuft KI heute ohne Leitplanken.

Meine Einschätzung: Vor jeder KI-Strategie steht für 2026 eine Bestandsaufnahme dessen, was im eigenen Haus seit Monaten produktiv läuft — und die nachträgliche Absicherung. Viele Unternehmen diskutieren noch, ob sie KI brauchen. Die Abteilungen darunter haben die Frage längst beantwortet.

Quelle: IAB-Kurzbericht 8/2026 (Friedrich & Kagerl): https://doku.iab.de/kurzber/2026/kb2026-08.pdf

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