KI-Architektur: Anbieterwechsel muss möglich sein

Das beste KI-Modell hilft wenig, wenn man es nicht wechseln kann.

Genau das zeigt die aktuelle Compute-Knappheit. GitHub pausiert neue Copilot-Signups für mehrere Individual-Pläne. Anthropic sichert sich zusätzliche TPU-Kapazität bei Google und Broadcom. Beides zeigt dieselbe Richtung: Unternehmen bauen heute Workflows auf Anbieter, deren Kapazität morgen knapp, teuer oder instabil sein kann.

Viele KI-Architekturen sehen noch aus, als würde man sich für ein Modell entscheiden wie früher für eine Software-Suite. Einmal gewählt, tief integriert, lange behalten.

Das wird nicht reichen.

KI muss eher wie ein austauschbarer Motor gebaut werden: Anwendung oben, Orchestrierung dazwischen, Modellanbieter unten. Der Fahrer soll nicht merken, ob gerade Claude, OpenAI, Gemini oder ein Spezialmodell arbeitet. Aber die Architektur muss es merken, messen und wechseln können.

Dafür braucht es keine große Plattform-Rhetorik. Prompts gehören nicht tief ins Vendor-Tool. Tools, Rechte und Datenzugriffe müssen getrennt vom Modellanbieter bleiben. Qualität, Kosten und Latenz sollten pro Modell sichtbar sein. Und Fallbacks gehören nicht als Notfallfolie in den Architekturanhang, sondern als echte Betriebslogik in den Workflow.

Die nächste KI-Reifeprüfung wird nicht sein, wer das neueste Modell nutzt.

Sondern wer wechseln kann, ohne den Betrieb aufzureißen.

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