Shadow-KI und Schulungslücke: die Reihenfolge der Zahlen

Bitkom hat 1.003 Erwerbstätige in Deutschland zu KI im Beruf befragt. 48% nutzen sie. 21% haben jemals eine betriebliche Schulung dazu bekommen. 12% nutzen sie heimlich.

Die TÜV-Verband/Forsa-Erhebung unter 500 Unternehmen schärft das Bild: in Firmen mit 20 bis 49 Mitarbeitenden liegt die Schulungsquote bei 21%, in Großunternehmen ab 250 bei 49%. Auch dort ist also die Hälfte der Belegschaft ohne formale Befähigung am Werkzeug.

Die Reihenfolge der Zahlen lohnt einen zweiten Blick. Mitarbeiter testen, lernen, integrieren KI in ihre Arbeit, oft mit privaten Accounts und auf eigene Initiative. Der Arbeitgeber bemerkt das verzögert, regelt es noch später. Wer Shadow-KI als Disziplinierungsthema liest, hat die Reihenfolge nicht verstanden: nicht der Mitarbeiter umgeht den Arbeitgeber, der Arbeitgeber kommt nicht hinterher.

Der EU AI Act Art. 4 ist seit Februar 2025 in Kraft. Er verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, für angemessene KI-Kompetenz ihrer Belegschaft zu sorgen, einschließlich externer Dienstleister und Geschäftsführung. Wer mit 48% Nutzung und 21% Schulung in dieses Jahr geht, ist nicht in einer Grauzone, sondern in Verzug.

Wer 48% Nutzung sieht und 21% Schulung dagegenhält, hat keine Governance-Frage mehr offen. Nur eine Umsetzungsfrage.

Studie (dpa via CIO.de): https://www.cio.de/article/4164177/ki-boom-als-schatten-ki-deutsche-nutzen-chatgpt-heimlich.html

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