Verification Gap — warum KI Strategie strukturell nicht ersetzen kann
KI kann Code auf Senior-Niveau schreiben. Aber keine Strategie entwickeln. Das ist kein Zufall — und nach heutigem Stand der Technik auch kein Problem, das sich einfach mit mehr Rechenleistung lösen lässt.
Andrej Karpathy — Mitgründer von OpenAI, ehemaliger Tesla-KI-Chef — hat das kürzlich offen benannt: KI-Modelle lernen durch Reinforcement Learning, durch automatisch überprüfbares Feedback. Code kompiliert — oder nicht. Mathematik stimmt — oder nicht. Financial Modeling trifft die Constraints — oder nicht.
Eine gute Strategie? Lässt sich nicht automatisch bewerten. Eine Verhandlung? Auch nicht. Das nennt sich Verification Gap — und er ist nach aktuellem Stand der Forschung nicht gelöst.
OpenAI hat es intern als "Universal Verifier" versucht: eine KI, die jede Antwort bewerten kann. Es blieb Vaporware. Kürzlich hat der verantwortliche RL-Chef das Unternehmen verlassen.
Für Unternehmen ergibt sich daraus eine klare Unterscheidung:
Verifiable Workflows — Code, Mathematik, Financial Modeling, Dokumentenprüfung: KI übernimmt, skaliert, optimiert. Fuzzy Domains — Strategie, Verhandlung, Kulturarbeit: Mensch bleibt nach heutigem Stand unverzichtbar, KI kann unterstützen.
Diese Unterscheidung ist das stärkste Argument gegen den "KI ersetzt alles"-Narrativ in Board-Gesprächen. Und die ehrlichste Basis für KI-Business-Cases.
Der Verification Gap ist kein Makel. Er zeigt, wo sich KI-Investitionen lohnen — und wo nicht.