KI 2026: Warum dieses Jahr entscheidend ist
In Gesprächen mit Führungskräften erlebe ich gerade zwei Reaktionen auf KI: Unruhe, weil sie nicht wissen wo anfangen. Oder Gelassenheit, weil ChatGPT ja so einfach war.
Beide liegen falsch. Aber die Gelassenen haben das größere Problem.
KI hat etwas, das fast keine Technologie davor hatte: einen extrem niederschwelligen Zugang. Jeder kann ein Chat-Fenster öffnen, eine Frage stellen und bekommt oft eine verblüffend gute Antwort — manchmal aber auch völligen Unsinn, der genauso überzeugend klingt. Beides erzeugt ein falsches Bild: Die gute Antwort lässt KI trivial wirken, die schlechte lässt sie nutzlos wirken. Die Wahrheit ist komplizierter — vor allem für Unternehmen.
Zwischen "ich habe ChatGPT etwas gefragt" und "KI liefert in meinem Unternehmen zuverlässig Ergebnisse" liegt ein technischer und organisatorischer Aufwand, den die meisten unterschätzen. KI braucht Zugang zu den richtigen Daten — und die liegen in den meisten Unternehmen in Silos, in veralteten Formaten, mit Berechtigungen die seit Jahren niemand aufgeräumt hat. KI braucht klar definierte Prozesse — und die sind oft nirgends dokumentiert. KI braucht eine Infrastruktur die über ein Chat-Fenster weit hinausgeht.
Wo diese Voraussetzungen gegeben sind, passieren bereits bemerkenswerte Dinge. In der Softwareentwicklung arbeiten 85% der Entwickler mit KI-Tools — Projekte die früher Monate gedauert haben, entstehen in Wochen. Bei klar definierten, wiederkehrenden Aufgaben liefern KI-Agenten Ergebnisse, die vor zwei Jahren undenkbar waren.
Meine Einschätzung nach über 30 Jahren in der Digitalisierung: KI wird Unternehmen und die Art wie wir arbeiten grundlegend verändern. Aber nicht über das Chat-Fenster.
Die Unternehmen die 2027 KI erfolgreich einsetzen werden, investieren gerade nicht primär in KI. Sie investieren in die Dinge, die sie seit Jahren vor sich herschieben.